Wo ein Wille ist ... Auf Umwegen von der Weiterbildung in den Job

Im Januar 2017 kam bei der GBB in Berlin-Lichtenberg eine junge Frau zur Beratung. Sie hatte mehrere Jahre als Produktionshelferin gearbeitet. Dann wurde ihr Sohn geboren.

Als sie wieder arbeiten konnte, war das kleine Unternehmen Pleite gegangen und Frau T. stand ohne Arbeit da. Wie es manchmal im Leben ist, so kam auch bei Frau T. alles zusammen: Die Arbeit war weg, das so sehr gewünschte Kind krank, die Ehe am Ende. Einen Beruf hatte sie nicht gelernt, weil ihre Eltern der Meinung gewesen waren, sie solle lieber gleich Geld verdienen gehen.

Das Jobcenter hatte ihr in dieser Situation empfohlen, eine Weiterbildung zu besuchen. Da sie Erfahrung in der Führung eines Haushalts hatte, entstand die Idee, sich zu Themen im Arbeitsfeld Hauswirtschaft zu qualifizieren. Damit würde es dann möglich sein, in Kindergärten, Pflegeheimen oder anderen Einrichtungen hauswirtschaftliche Aufgaben zu übernehmen. Im Ergebnis der Beratung erhielt Frau T. von uns ein Angebot für eine Weiterbildung zur Fachkraft in der Hauswirtschaft. Das Jobcenter stellte einen Bildungsgutschein aus, der Studienvertrag wurde unterschrieben und an einem trüben Montag im Februar begann Frau T. mit ihrer Weiterbildung.

Auffällig war für uns von Anfang an, wie unglaublich angestrengt, schmal, blass und müde Frau T. wirkte. Dabei war sie immer freundlich und ausgesprochen liebenswürdig. Und sie war überdurchschnittlich fleißig. Es dauerte nicht lange und sie absolvierte mit sehr gutem Ergebnis den ersten Test.

Probleme

Dann wurde ihr Sohn krank. Als sie wieder zurück war, erzählte sie uns ihre Lebensgeschichte. Das allergrößte Problem, mit dem sie zu tun hatte, war eine lebensbedrohliche Erkrankung ihres Sohnes, die eine sehr komplizierte und hochriskante Operation erfordern würde. In Deutschland war diese Operation bisher nur ein einziges Mal durchgeführt worden. In den nächsten Monaten erlebten wir mit, welches Auf und Ab es in der Gesundheit des Kindes gab, welche Kämpfe mit Krankenkassen, Gutachtern und Kliniken. Hoffnung und Verzweiflung lagen oft nah beieinander.

Frau T. fiel in dieser Zeit oft aus, weil sie ihren Sohn betreuen musste. Das Jobcenter kannte ihre Situation und reagierte mit Verständnis. Vor allem erlebten wir eine Frau, die sich mit unglaublicher Energie und Willensstärke immer wieder mit dem Lernstoff beschäftigte und trotz aller Fehlzeiten ihre Tests pünktlich und mit sehr guten Ergebnissen bewältigte. Das nötigte uns allen höchsten Respekt ab.

Neues Ziel

Zur Weiterbildung gehörte bei Frau T. auch ein Praktikum, das sie in einem Pflegeheim absolvierte. In dieser Zeit und mit der Erfahrung der Arbeit mit alten Leuten entstand bei Frau T. der Wunsch, als Pflegehilfskraft und Betreuungsassistentin zu arbeiten. Das war im Oktober 2017. Aufgrund des eklatanten Personalmangels in Pflege und Betreuung stimmte das Jobcenter dem Wunsch von Frau T. zu, eine Weiterbildung zur Fachkraft für Pflege und Betreuung zu besuchen. Diese Qualifizierung beinhaltete den Pflegebasiskurs und den Abschluss als Betreuungsassistentin nach §§ 43b und 53c SGB XI.

Die persönlichen Schwierigkeiten wurden nicht weniger, die Sorge um den Sohn bestand noch immer und Frau T. lernte wieder und immer weiter mit unglaublicher Zielstrebigkeit.

Sie absolvierte das für den Betreuungsassistenten vorgeschriebene Praktikum, legte alle Tests und Prüfungen gut und sehr gut ab und wurde dabei immer blasser und müder. Wir versuchten sie zu unterstützen, so gut es uns möglich war. Oft hilft es ja auch schon, wenn einfach einmal jemand zuhört.

Freude und Erfolg

Im Frühsommer 2018 war es dann endlich so weit: Der Sohn von Frau T. sollte operiert werden. Noch einmal waren das Tage voller Angst und Sorge und der ganze Standort in Lichtenberg bangte mit um Frau T. und ihren Sohn.

Kurz zuvor hatte sie noch ihre Abschlussprüfung bestanden und durfte sich nun stolz »Fachkraft für Pflege und Betreuung« nennen.

Dann endlich ein Anruf von ihr: Alles ist gutgegangen! Das war auch für uns am Standort ein Tag der Freude. Als Mutter und Kind wieder stabil waren, kamen sie uns besuchen. Zwischendurch gaben wir Frau T. immer wieder Zuspruch und Rat, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten könnte und empfahlen ihr auch ganz dringend, mit dem Arzt über eine Mutter-Kind-Kur zu sprechen. Diese Kur konnte sie im September mit ihrem Sohn antreten und die Wochen der Ruhe und Betreuung haben beiden sehr gutgetan.

Beeindruckend ist, dass Frau T. sich auch während der Zeit der Krankheit ihres Sohnes und während der Kur bei verschiedenen Pflegeeinrichtungen beworben hatte. Vor wenigen Tagen rief uns Frau T. an. Voller Stolz erzählte sie, dass sie gerade den Arbeitsvertrag unterschrieben hatte in einer Tagespflegeeinrichtung.

Und sie hat allen Grund, stolz auf ihre Leistung zu sein! Ja, wir haben alle geholfen und unterstützt und die Weiterbildung ist für sie bezahlt worden. Aber es bleibt die Tatsache, dass Frau T. zielstrebig und manchmal unter Aufbietung aller Kraft gelernt und gearbeitet hat. Nur dadurch konnte sie schaffen, was sie sich vorgenommen hatte: Raus aus der Hilfebedürftigkeit, raus aus der Unterstützung durch das Jobcenter und die Möglichkeit finden, für sich und ihren Sohn selbstständig sorgen zu können. Und ja: Es hat eine ganze Weile gedauert, insgesamt etwas mehr als ein Jahr, aber die Geduld aller Beteiligten hat sich gelohnt.

Wir haben Frau T. voller Freude zu ihrem Erfolg gratuliert und ein kleines bisschen sind wir auch auf ihren Erfolg stolz, weil wir an sie geglaubt und ihr immer wieder Mut gemacht haben.

Frau T. hat ihren Weg gefunden - auch mit Hilfe der GBB. Wir wünschen ihr von Herzen alles Gute!

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11.10.2018 | Rubrik: Bemerkungen, GBB-Aktuell | 0 Kommentare

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