Wie bildet man sich eine eigene Meinung und wie präsentiert man diese?

Unter einer Meinung oder Auffassung wird in der Erkenntnistheorie eine von Wissen und Glauben unterschiedene Form des Fürwahrhaltens verstanden.
Viele wichtige Themen erfordern, dass man sich eine eigene Meinung bildet und sich nicht nur von der Meinung anderer beeinflussen lässt. Vor allem durch die sozialen Medien erreichen uns viele verschiedene Meinungen.
Dies kann zu einer Überforderung führen und dazu, dass man nicht mehr in der Lage ist, wirklich über seine eigene Position nachzudenken.
Die Meinungen anderer erschlagen uns häufig, sodass wir erstmal perplex reagieren und nicht genau wissen, was wir sagen sollen. Dabei sollten Sie nicht immer davon ausgehen, dass alle, die in den Medien ihre Meinung äußern, wirklich Experten sind. Oftmals wissen diese auch nicht mehr als Sie. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zu voreiligen Meinungsbildungen zwingen. Sie sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und sich stattdessen Zeit nehmen, um seriöse Fakten und Informationen zu einem Sachverhalt zu sammeln.
Immer, wenn wir einen Text lesen oder eine Geschichte hören, dann haben wir dazu eine persönliche Meinung. Diese richtig zu äußern und zu schreiben ist wichtig. Argumente wollen einen Standpunkt oder eine Meinung begründen und dabei möglichst überzeugend sein. Um sich über ein Thema oder eine Sache eine eigene Meinung zu bilden, ist es wichtig zu wissen, welche verschiedenen Informationsarten es gibt und welche besonders geeignet sind, um eine Meinung glaubwürdig zu vertreten. Eine objektive Betrachtung ist anzustreben. Sie ist wertfrei und vollkommen unvoreingenommen, z. B.: Der Himmel ist an einem wolkenlosen Sommertag blau. Im Gegensatz dazu ist eine subjektive Sichtweise immer von der persönlichen Meinung und Erfahrung geprägt. Dadurch ist sie individuell, z. B.: Ich empfinde die Person im Fernsehen als unsympathisch. Beide Betrachtungsweisen sind für bestimmte Situationen ausgesprochen wichtig.
Folgende Momente sind zu beachten:
Der allgemeine Grundsatz:
Er beschreibt unabhängig von der Meinung einer individuellen Person eine Sache oder ein Ereignis.
Die Expertenmeinung:
Ein Experte ist eine Person, die in einem bestimmten Gebiet sehr gut ausgebildet ist (Medizin, Politikwissenschaft, Automechanik etc.) und ihr Wissen auf diesem Gebiet weitergibt. Die Expertenmeinung ist eine glaubwürdige Informationsart und dient in einer Argumentation als ein starkes Argument. Aber Vorsicht: Nicht jeder, der sich heutzutage Experte nennt oder Experte genannt wird, ist auch einer.
Beispiel: Ein Tisch hat vier Beine. Ein allgemeiner Grundsatz ist wertungsfrei. Diese Informationsart ist glaubwürdig, muss aber eventuell belegt werden. Beispiel: Jeder Tisch hat vier Beine. (Ist dieser allgemeine Grundsatz auf alle Tische anwendbar?)
Die subjektive Meinung, Erfahrung von Betroffenen:
Unsere objektive Wahrnehmung kann zum Beispiel durch die Angst, nicht zu genügen, nicht zu funktionieren oder zu scheitern, verschleiert sein. Nehmen wir etwas mit Angst wahr, projizieren wir diese Emotion in den Sachverhalt hinein. Das ist alles andere als unvoreingenommen oder objektiv und kann lähmend wirken. Subjektiv bedeutet, die Meinung ist auf die Person gerichtet und stützt sich auf die Empfindung, das Denken und die Erfahrung einer Person. Subjektive Informationen sind keine zuverlässigen Informationen, da sie möglicherweise nur für die betroffene Person zutreffen und nicht für die Allgemeinheit. Man bezeichnet diese Informationen als anekdotische Beweise. Das ist eine Wortkombination, die sich auf persönliche Geschichten, Meinungen oder Erfahrungen bezieht, die verwendet werden, um eine Behauptung zu stützen oder zu widerlegen. Der Ausdruck wird oft als Gegensatz zur empirischen Evidenz und zum Analogieschluss verwendet.
Beispiel: Beim Schreiben eines Briefes an meinen Kollegen sehe ich gerne fern, das lässt mich schneller denken. Dass Fernsehen schnelleres Denken bewirkt, trifft zwar ggf. für mich zu, ist aber nicht für jeden Menschen geeignet. Daher nützen subjektive Meinungen nicht für eine überzeugende Argumentation.
Bevor man sich nun eine eigene Meinung zu einem Thema macht, sollte man sich im Klaren sein, woher die Informationen und Argumente stammen, wer sie gibt und wie glaubwürdig diese Informationen sind. Argumente sind immer dann notwendig, wenn Sie andere Menschen von sich, Ihren Ansichten oder Vorschlägen überzeugen wollen. Verkaufsgespräche, Verhandlungen, Team-Besprechungen oder Mitarbeitergespräche laufen erfolgreicher, wenn Sie Ihre Argumente klar und überzeugend darstellen können. Es geht darum, Ihr Publikum oder Ihre Gesprächspartner mit wertvollen Inhalten zu erreichen, um zu überzeugen. Vermeiden Sie daher inhaltsleere Phrasen, Worthülsen und allgemein gehaltene Formulierungen. Stattdessen gehen Sie konkret auf das ein, was Ihnen wichtig ist.
Die Grundstruktur jeder Argumentation beruht auf drei Säulen, dem sog. 3-B-Schema. Mit dieser Struktur können Sie einen klaren Standpunkt formulieren.
Behaupten
Jede Argumentation beginnt mit einer Behauptung. Die Behauptung kann sein: eine These, ein Vorschlag, eine Idee, eine Meinung. Die Behauptung ist die Kernbotschaft, sodass alle wissen, worum es geht.
Begründen
Die Begründung beantwortet das Warum. Also: Warum soll ich die These unterstützen, den Vorschlag annehmen, die Meinung teilen, die Idee befürworten. Begründungen können Sie mit folgenden Brückenwörtern einleiten: weil, denn, da, wegen, dadurch, deshalb, daraus, folglich.
Belegen
In den meisten Situationen reicht eine Begründung allein nicht aus. Die Begründung braucht noch weiteres Futter, um verständlich und überzeugend zu sein.
Belege können sein:
- Beispiele
- Erfahrungen und Referenzen
- Werte
- Zahlen, Daten und Fakten
- Vergleiche
- Kausalzusammenhänge
- Glaubwürdige Personen
- Mehrheiten
- Normen
Es ist wichtig, dass jeder sein Mitspracherecht auch nutzt. Sie sollten Ihre Meinung als relevant ansehen und sich zum Selbst-Denken animieren. Immerhin ist es auch Autoritätspersonen nicht möglich, alle Sichtweisen und Argumente immer im Blick zu haben. Chefs finden es oft sogar gut, wenn Mitarbeiter ihre eigene Meinung äußern.
Viel Erfolg!
Ihr Dr. Peter Schmidke
04.05.2026, Rubrik: Artikel, GBB-Aktuell, Kommentar schreiben,












