Der gefährliche Trend der Selbstoptimierung

Selbstoptimierung erfreut sich großer Beliebtheit, gerade durch die neuen Möglichkeiten, die die Technik in den letzten Jahren gebracht hat. Allerdings sollte dabei nicht vergessen werden:

Sich selbst immer weiter optimieren zu wollen, kann ein schädliches und gefährliches Vorhaben sein. Das ständige »Schneller, Höher, Weiter« soll motivieren und dazu führen, mehr aus sich selbst herauszuholen.

In der Realität bewirkt es aber häufig Überforderung und viel zu hohe Erwartungen an sich selbst, die einfach nicht erfüllt werden können. Große Ziele sind gut und wichtig. Wer aber ständig mehr von sich verlangt als er leisten kann, tritt das eigene Selbstwertgefühl mit Füßen. Jeden Tag zeigen Sie sich selbst, dass Sie offensichtlich nicht gut genug sind, nicht mithalten können, dem Tempo und den Anforderungen nicht gewachsen sind. Was folgt, sind Selbstzweifel oder sogar psychische Probleme oder Krankheiten. Der Wunsch nach Perfektionismus setzt Sie immer weiter unter Druck, bis Sie diesem nicht mehr standhalten können. Auch körperlich kann die Selbstoptimierung kritisch sein. Einige gehen weit über die eigenen Grenzen hinaus, indem beispielsweise der eigene Schlafrhythmus reduziert wird, um mehr vom Tag zu haben und in der zusätzlichen Zeit mehr zu schaffen.

Die Kritik an der Selbstoptimierung kann aber auch etwas abstrakter begonnen werden. So kann sie beispielsweise Narzissmus fördern, weil sich die gesamte Aufmerksamkeit nur noch darum dreht, den eigenen Körper oder die eigenen Eigenschaften zu perfektionieren. Das geht so lange weiter, bis kein Zweifel mehr an der eigenen Unfehlbarkeit besteht – schließlich wurde entsprechend viel darin investiert.

Ein weiterer Aspekt vor dem Gesichtspunkt der technischen Helfer der Selbstoptimierung ist der Datenschutz. Mit jeder App, die Sie benutzen, mit Ihren persönlichen Daten füttern und der Sie erlauben, Statistiken und Auswertungen über Ihren Lebensstil anzulegen, werden Sie zunehmend zum gläsernen Menschen.

Selbstoptimierung in Maßen kann jedoch durchaus sinnvoll sein.

Trotz möglicher Gefahren bedeutet es nicht, dass die Selbstoptimierung in jedem Fall vermieden werden muss und keine Berechtigung mehr hat. Ganz im Gegenteil. Der Grundgedanke, mehr aus seinem Leben zu machen und eine bessere Version von sich selbst zu werden, sollte unterstützt und verfolgt werden. Entscheidend ist jedoch, wie Sie dabei vorgehen.

Ein wichtiger Kerngedanke sollte lauten: Wenn Sie zu viel wollen, bekommen Sie am Ende noch weniger. Wer es mit der Selbstoptimierung übertreibt, verlernt dabei, zufrieden mit sich selbst zu sein. Erinnern Sie sich deshalb immer wieder selbst daran, dass gut eben doch gut genug sein kann. Es muss nicht immer alles perfekt und 120 Prozent sein. 95 Prozent können absolut ausreichend sein und machen oftmals viel glücklicher. Außerdem sollte sich Selbstoptimierung immer an der eigenen Person orientieren. Will heißen: Fragen Sie sich, was Sie überhaupt erreichen wollen, warum Sie sich optimieren und wie weit Sie dabei gehen wollen. Was für andere sinnvoll ist, ist für Sie individuell vielleicht total unpassend und absoluter Quatsch. Selbstoptimierung als reiner Selbstzweck bringt gar nichts.

Glück lässt sich nun mal nicht erzwingen, auch nicht durch Selbstoptimierung. Manchmal ist es besser, die Dinge ein wenig lockerer zu sehen, einiges so zu akzeptieren, wie es ist und damit eine Last von den eigenen Schultern zu nehmen.

Viel Erfolg!

 

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