Warum Weiterbildung? Lohnt sich das überhaupt?

Viele Arbeitnehmer, die über eine nebenberufliche Weiterbildung oder eine Weiterbildung zur Beendigung ihrer Arbeitslosigkeit nachdenken, haben vor allem eine Frage im Kopf: Lohnt sich der ganze Stress überhaupt?

Immerhin ist eine Weiterbildung mit (teils recht hohen) Kosten, deutlich weniger Freizeit und einer Menge Lernstress verbunden. Wer all das in Kauf nimmt, möchte verständlicherweise belohnt werden. Wenn du auch zu dieser Gruppe gehörst, kann ich dich beruhigen.

Ja, die Weiterbildung bedeutet Stress, aber es lohnt sich – mit Sicherheit auch für dich.

»Das kann ja jeder behaupten«, denkst du dir bestimmt, oder? Stimmt, aber wie wär’s mit ein paar knallharten Fakten, die den Nutzen einer Weiterbildung belegen? Hier kommen gute Gründe, warum du dich ohne Bedenken auf deine Weiterbildung stürzen kannst.

Grund 1: Je höher du qualifiziert bist, desto geringer ist die Gefahr, arbeitslos zu werden oder zu bleiben.

Seit Jahren geistert der Begriff »Fachkräftemangel« durch die Wirtschaft. Ständig wird bemängelt, dass keine passenden Bewerber gefunden wurden und Stellen leer bleiben müssen. Leider bedeutet das natürlich auch, dass viele Bewerber mit zu niedriger Qualifikation ohne Arbeit bleiben. Um dieser Gefahr zu begegnen, gibt es nur einen Weg: Mach dich zur begehrten Fachkraft! Dass das ein guter Weg ist, kann die Bundesagentur für Arbeit bestätigen. Es lässt sich konstant ein deutlicher Zusammenhang zwischen formaler Bildung und Arbeitslosigkeit beobachten:
Je höher die Qualifikation, desto seltener die Arbeitslosigkeit.
Am sichersten sind die klassischen Akademiker, doch bereits eine Ausbildung plus Weiterbildung/-en sorgt für deutlich mehr Jobsicherheit gegenüber Menschen ohne Berufsabschluss.

Grund 2: Weiterbildung ist eine wichtige Voraussetzung für den beruflichen Aufstieg oder den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben.

Wer nicht dauerhaft auf seiner aktuellen Jobposition hängen bleiben möchte, kommt am Thema Weiterbildung kaum vorbei. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat in einer Befragung einen interessanten Zusammenhang zwischen Weiterbildung und beruflichem Aufstieg gefunden: 42 % der Personalverantwortlichen halten die Bereitschaft zur Weiterbildung für »sehr wichtig«, um als Führungskraft in Frage zu kommen. Weitere 52 % stufen das Ausbauen des eigenen Wissens als »eher wichtig« ein. Zwar ist die Weiterbildung damit nicht das einzige Kriterium für den beruflichen Aufstieg. In Kombination mit anderen Faktoren wie Leistungsmotivation oder der Identifikation mit den Unternehmenszielen sollte sie aber nicht unterschätzt werden. Das bestätigt auch eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 10.000 Absolventen verschiedener Fortbildungen. Aus dieser Gruppe berichten beeindruckende 74 % von einer besseren Position im Unternehmen, die sie nach der Weiterbildung erreichen konnten.

Grund 3: Die Konkurrenz schläft nicht.

Rund die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Darunter fanden sich unter anderem betriebliche Weiterbildungen und die selbstständige Teilnahme an Lehrgängen parallel zum Beruf. Das geht aus dem aktuellen Bildungsbericht des Bildungsministeriums hervor. Wer also weiterhin zu den Spitzenkräften der Wirtschaft zählen möchte, sollte sich nicht auf seinem aktuellen Wissen ausruhen. Sonst ist die Konkurrenz um den eigenen Job bald davongeeilt. Außerdem ist zu erwarten, dass die Bereitschaft zur Weiterbildung auf einem hohen Niveau bleiben wird. Laut einer Umfrage der Universität für Weiterbildung in Berlin halten 56 % der Arbeitnehmer eine Weiterbildung für erforderlich, um im Beruf voranzukommen. Weitere 32 % bezeichnen Weiterbildungen immerhin als hilfreich.

Grund 4: Die internationale Konkurrenz ist bestens vorbereitet.

Nicht nur deutsche Arbeitnehmer kümmern sich um ihre Weiterbildung. Auch im internationalen Vergleich zeigt sich, wie wichtig es ist, sein fachliches Wissen kontinuierlich auszubauen und seine Persönlichkeit zu stärken. Global betrachtet sind mehr als 80 % aller Arbeitnehmer intensiv daran interessiert, ihre eigenen fachlichen und personalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Dabei sind sogar Faktoren wie Branche, Region oder Alter ziemlich egal. Der Wert ist in allen Bereichen extrem hoch. Entsprechend solltest du darauf vorbereitet sein, dich gegen gebildete, internationale Konkurrenz durchsetzen zu müssen.

Grund 5: Eine höhere Bildung bringt (meist) ein höheres Einkommen.

Wer Bedenken hat, dass sich der Aufwand für eine Weiterbildung nicht lohnen, sollte einen Blick auf die Erfolgsumfrage des DIHK werfen. Die Befragung unter Absolventen hat ergeben, dass ganze 68 % nach der Weiterbildung mehr Gehalt bekommen haben. Rund ein Viertel davon berichtete sogar von mehr als 750 Euro pro Monat. Und das ist noch nicht alles. Knapp 30 % der Arbeitnehmer mit abgeschlossener Fortbildung verdienen nachweislich mehr Geld als ein Akademiker mit entsprechendem Studium. Die gern getroffene Aussage, dass Studierte grundsätzlich mehr Geld verdienen, ist also schlichtweg falsch. Allerdings reicht die Weiterbildung nicht immer für ein Gehalt auf »Akademiker-Niveau«. Während die Gehaltsunterschiede in kaufmännischen Positionen relativ gering sind, verdienen Uni-Absolventen in naturwissenschaftlichen Berufen nach wie vor deutlich mehr Geld.

Grund 6: Die meisten Absolventen sind mit ihrer Entscheidung zufrieden.

Der Großteil aller Absolventen von Weiterbildungen hat seine Entscheidung nicht bereut. Ganz im Gegenteil: Mehr als drei Viertel würden exakt die gleiche Weiterbildung noch einmal durchführen. Eine motivierende Zahl, oder? Allerdings sollte man ehrlicherweise auch den Umkehrschluss bedenken. Immerhin rund 25 % waren mit ihrer Entscheidung nicht zufrieden. Die Kritiker bemängelten vor allem, dass der Aufwand zu hoch sei und die Inhalte der Weiterbildung im Berufsalltag nicht wie gewünscht geholfen haben. Dieses Ergebnis unterstreicht nochmal, dass eine Weiterbildung immer eine individuelle Entscheidung sein muss und von der beruflichen Situation abhängt. Nicht immer ist sie hilfreich, in den allermeisten Fällen aber schon.

Grund 7: Weiterbildungen werden oft gefördert.

Zu guter Letzt noch ein schönes Argument für all diejenigen, denen die Kosten für Weiterbildungen zu hoch sind. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten, oftmals direkt im eigenen Unternehmen. Der DIHK hat in einer Umfrage festgestellt, dass 30 % der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter bei externen Weiterbildungen unterstützen. Bei internen Maßnahmen steigt der Wert sogar auf 47 %. Die wichtigsten Wege der Förderung sind dabei die Freistellung von der regulären Arbeit und die finanzielle Unterstützung. z. B. durch die AA/JC, durch den Arbeitgeber.

Fazit: Weiterbildung lohnt sich, muss aber individuell bewertet werden.

Die Zahlen zeigen ganz deutlich, dass Weiterbildung eine wichtige Investition in die Zukunft ist. Vor allem durch die globalisierte Welt wird es immer wichtiger, fachlich fit und persönlichkeitsstark zu bleiben. So sicherst du dir den Wiedereinstieg ins Berufsleben, beste Jobchancen, ein gutes Gehalt und eine relative Jobsicherheit. Dennoch bleibt zu beachten, dass die Entscheidung für die richtige Weiterbildung sehr schwierig sein kann. Das Angebot ist riesig und nicht jeder hat die Motivation, so viel Zeit und Kraft für eine Weiterbildung aufzubringen. Die Entscheidung kann dir am Ende niemand abnehmen. Im Zweifel würde ich aber immer sagen: Ja, eine Weiterbildung lohnt sich – beruflich und persönlich!

Ihr Dr. Peter Schmidke

 

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