Neues Kassengesetz 2020 - Gibt es bald digitale Kassenzettel?

Finanzbehörden wollen Einzelhändler und Gastwirte mit der sogenannten Fiskalisierung zwingen, ihre Einnahmen vollständig anzugeben. Jeder Bezahlvorgang wird dabei in Echtzeit einzeln auf einem manipulationssicheren Speicher festgehalten.

Ab dem 1. Januar 2020 dürfen Kassenbetreiber nur noch Geräte mit einem staatlich zertifizierten Sicherheitsmodul verwenden. Hunderttausende Betriebe müssen bis dahin neue Registrierkassen anschaffen, weil sich bestehende Geräte oft nicht nachrüsten lassen.

Und selbst, wenn das Kassengesetz in Zukunft überall mit zertifizierten Registrierkassen zum Tragen kommt, bleibt eine Lücke in der Steuererhebung: Geschäfte, die gar nicht erst in die Kasse eingegeben werden, können weiterhin »schwarz« ablaufen. Nur dann, wenn der Kunde seine Zahlung durch einen Kassenzettel bestätigt bekommt, sind Tricksereien mit der Buchhaltung weitgehend ausgeschlossen. Vater Staat hat deshalb ein reges Interesse daran, dass Verbraucher bei jedem Bezahlvorgang einen Bon verlangen.

Um dieses Interesse an den meist verschmähten Kassenzetteln zu fördern, hat der Gesetzgeber in Taiwan bspw. und später auch der tschechische vorgeschrieben, dass jeder ausgestellte Kassenbon zugleich als Los an einer Lotterie teilnimmt. Wer fleißig alle Kassenzettel sammelt, hält sich damit die Chance auf einen fünfstelligen Lottogewinn offen.
Quelle: heise online, Der Kampf der Finanzämter gegen manipulierte Registerkassen, 14.04.2019, Dr. Hans-Peter Schüler

Soweit ein paar nüchterne Fakten. Was dabei jedoch völlig vergessen wird: Thermopapier-Kassenbons gehören eigentlich in den Sondermüll, denn sie sind extrem gesundheitsschädlich. Und die Rückkehr zu mehr Papier ist im Zeitalter der globalen Digitalisierung mehr als fragwürdig.

Noch mehr Papier?!

Millionen Kassenzettel werden jeden Tag in Deutschland gedruckt. Ob in Supermärkten, Restaurants, Tankstellen oder Kaufhäusern: Egal, wo wir für Einkäufe oder Dienstleistungen bezahlen: Wir kriegen die Quittung dafür auf Papier. Und das, obwohl die meisten Belege danach eh direkt im Müll landen!

Doch statt eine digitale, nachhaltige Alternative für die vielen Papierbons zu fördern, hat die Politik damit ein Gesetz erlassen, das noch mehr Kassenzettel produzieren wird! Gedruckte Kassenzettel sind nicht nur überflüssig, sondern auch gesundheits- und umweltschädlich!

Mit diesem neuen »Kassengesetz« der Bundesregierung rollt etwas auf Handel und Gastronomie zu, das sich nicht nur auf die Geschäfte, Restaurants und Cafés des Landes auswirken wird. Vielmehr wird das »Gesetz zum Schutz vor Manipulation an digitalen Grundaufzeichnungen«, das bereits 2016 verabschiedet wurde, zu einem sprunghaften Anstieg beim Einsatz von Papier und damit auch bei der Verschwendung von wichtigen Ressourcen führen. Außerdem trägt es dazu bei, noch mehr gesundheitsschädliche Gifte in die Umwelt zu schleusen. Denn laut Gesetz müssen Händler und Gastronomen ab 2020 jedem Kunden einen Kassenbon ausstellen - egal wie klein die Transaktion ist und unabhängig davon, ob der Kunde den Zettel haben möchte oder nicht. Ein Umstand, der in Zeiten der Digitalisierung nicht nur unsinnig ist, sondern einen echten Rückschritt bedeutet und zeigt, wie realitätsfremd die Bundesregierung dieses Thema immer noch betrachtet.

Mitarbeiter in Handel und Gastronomie sind genauso gefährdet wie Kunden

Das Thermopapier ist ein echtes Gesundheitsrisiko für jeden, der mit ihm in Kontakt kommt. Das beginnt bereits im Handel, im Geschäft, wo die Mitarbeiter tagtäglich Hunderte Kassenzettel drucken und anfassen müssen. Über Hautkontakt gelangen hochgiftige Bisphenole in den Organismus und können auf Dauer zu Krebs, Diabetes und einer Schädigung des Erbguts führen. Schädigungen, die bei einer Schwangerschaft auch auf das ungeborene Kind übergehen. Das Gleiche gilt für den Kunden, der den Zettel in Empfang nimmt und ihn oft wochenlang mit sich herumträgt. Das heißt, wenn er ihn nicht sofort wegwirft. Denn ein hoher Prozentsatz an Kassenzetteln landet umgehend in der Mülltonne - wenn es gut läuft. Häufig jedoch wird der Bon im Altpapier entsorgt. Das ist dann ein echtes Problem, da die Giftstoffe im Rahmen des Recyclingprozesses ins Grundwasser gelangen und sich so in der Umwelt anreichern.

Sprunghafter Anstieg an Papierkosten durch Belegausgabepflicht für den Handel

Die durch das Gesetz entstehenden zusätzlichen Papierkosten beziffert der Bundesrat mit rund 5,5 Millionen Euro. ... Es stellt sich doch die Frage, warum ausgerechnet der Ausdruck eines Bons das Mittel der Wahl sein soll, um Umsatzsteuerbetrug zu verhindern. ... Es gibt inzwischen Lösungen, die der Zeit entsprechen, z. B. per App eine Quittung zu verschicken. Einmal verschickt ist sie nicht mehr rückgängig zu machen. Das ist wie ein elektronisches Kassenbuch.
Quelle: Change.org - Digitale Kassenzettel, admin-Newsroom, 09/2019

PS: Bisphenol A (BPA) als »besonders besorgniserregender Stoff« ist ab 2020 als Beschichtung von Thermopapier verboten, um die menschliche Gesundheit zu schützen.

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01.10.2019 | Rubrik: Artikel, GBB-Aktuell | 0 Kommentare

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