Fachpraxis für angehendes Pflege- und Betreuungspersonal

rehatechnische Mobilitätsunterweisung für GBB-Teilnehmer

Die Weiterbildung bei der GBB ist in vielen Bereichen mit fachpraktischen Anteilen verbunden. Ein wichtiger Bestandteil aller Kurse, die mit der Pflege und Betreuung von jungen oder älteren Menschen zu tun haben, ist die rehatechnische Mobilitätsunterweisung.

Anfang Mai war es wieder soweit. Unsere angehenden Pflegekräfte und Seniorenbetreuer absolvierten ein Rollstuhltraining bei der DRK in Berlin. Unser Fürstenwalder Teilnehmer Mario S. beschreibt den Tag aus seiner Sicht mit seinen Worten sehr eindrucksvoll.

Rollstuhllehrgang im DRK HilfsmittelCentrum

Am Morgen versammelten sich viele Teilnehmer der GBB aus unterschiedlichen Einrichtungen und Stadtteilen vor dem Gebäude des DRK. Es war schon das erste erfreuliche Ereignis, dass es alle Teilnehmer schafften, pünktlich vor Ort zu sein, obwohl die Bahn sich wieder mal im Streik befand.

Nun, da wir vollzählig waren, wurden wir von dem Dozenten der DRK abgeholt und in einen Raum geführt, in dem sich keine Stühle im herkömmlichen Sinne befanden. Der Dozent zu uns: »Nehmen Sie Platz«. Fragend schauten wir in die Runde. Darauf? ... Es befanden sich im Raum nämlich nur Rollstühle verschiedenster Bauart und Hersteller. Ein Skuter, ein Sportrollstuhl, ein Rollstuhl höhenverstellbar bis auf Augenhöhe, ein Stehrollstuhl, ein mit ein paar Handgriffen in Kleinteile zerlegbarer Rollstuhl, Stühle mit unterschiedlichen elektrischen Antriebssystemen und viele mehr. Es war nun an uns, eine passende Sitzgelegenheit zu finden und Platz zu nehmen. Die Stimmung war ausgelassen. Die ersten Sprüche und das Gelächter der Teilnehmer füllten den Raum. Daraufhin sagte der Dozent: »Wie ich sehe, werde ich mit Ihnen Spaß haben.« Und so sollte es auch sein.

In diesem speziellen Raum wurde über Anwendungen, Sicherheit, Benutzbarkeit, Kosten und einige andere interessante Fakten rund um den Rollstuhl unter Miteinbeziehung eines jeden im Rollstuhl sitzenden Teilnehmers diskutiert.

Nachdem vieles über dieses Thema gesagt, gefragt und beantwortet war, sollte unsere nächste Aufgabe sein, paarweise mit einem Rollstuhl durch Berlin zu flanieren. Abwechselnd als »Behinderter« im Stuhl sitzend und mal als »Pfleger« schiebend. In eineinhalb Stunden konnten wir in Geschäfte und Umkleidekabinen rollen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder im Schlosspark spazieren gehen. Das Ziel dieser Übung war es herauszufinden, wie rollstuhlfahrerfreundlich eine Region ist und wie die Reaktionen und Hilfsbereitschaft unserer Mitmenschen gegenüber Rollstuhlfahrern so sind.

Mein Erleben war gemischt. So schien z. B. die Verkäuferin in einer Feinkostbäckerei zu meinen, dass der Rollstuhlfahrer neben mir, etwas unterhalb des Tresens, keinen Kuchen erwerben möchte, sondern dass ich den Einkauf für ihn erledigen würde. Was für eine Entmündigung. Dagegen ist es in Berlin kein Problem für einen Rollstuhlfahrer, ein Motorrad zu erwerben. Das zu ebener Erde liegende Geschäft haben wir mit dem Rollstuhl erstürmt und wurden voller Respekt und Begeisterung empfangen und beraten. Liegt vielleicht an den Parallelen der rollenden Gefährte ...

Sehr berührt hat mich, als am Sammelpunkt, wo sich zum Ende des Außeneinsatzes alle Rollstuhlfahrer eingefunden hatten, eine betagte Dame auf uns zu kam und alles Gute für die im Rollstuhl sitzenden und die dahinter wünschte. Für mich war die Rolle als auf Hilfe angewiesener Rollstuhlfahrer eher unangenehm. Nicht wegen der Blicke der Passanten, sondern eher wegen des Pflegers hinter mir, der den Stuhl schieben musste.

Im Anschluss an das Experiment wurden wir noch durch einige Räume geführt, in denen allerlei Exponate und Hilfsmittel lagen, die zur Erleichterung des Alltags für Hilfebedürftige und Pfleger beitragen. Es war wie ein Besuch im Museum, nur mit dem Unterschied, das alles der Gegenwart angehört. Hätte mir der Gedanke an meine Heimfahrt nicht mein Gemüt getrübt (Streik der Lokführer), wäre diese Exkursion ein rundum unterhaltsamer und lehrreicher Tag.
Daumen hoch!

Fotos vom Rollstuhltraining

 

Vielen Dank, lieber Herr S., für diese anschauliche Schilderung und viel Erfolg bei Ihrer ganz individuellen Qualifizierung weiterhin!

Auch im nächsten Monat werden wieder angehende Pflege- und Betreuungskräfte ihr Rollstuhltraining absolvieren - vielleicht sind Sie ja dann dabei?

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13.05.2015 | Rubrik: Artikel, GBB-Aktuell | 0 Kommentare

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